Papierlaufrichtung:

Beim Arbeiten mit Papier ist die Papierlaufrichtung nicht ganz unwichtig. Gerade wenn man das Papier ganzflächig verklebt und es so (noch mal) mit Feuchtigkeit in Berührung kommt, kann das Ergebnis daneben gehen, wenn man die Laufrichtung nicht beachtet. Eine selbst gebastelte Grußkarte kann sich wölben wie eine Regenrinne. Anderes Beispiel aus der Praxis: Ein Taschenbuch, das schnell "aus dem Leim geht", ist meist aus Papier in falscher Richtung (= nicht parallel zum Buchrücken) hergestellt.

Das Papier besteht aus Fasern, die durch die Herstellung in einer Richtung angeordnet sind (das Papier ist ja nach der Herstellung in der Papierfabrik eine endloslange Bahn, aus der dann die Bögen, die wir zu kaufen kriegen, geschnitten werden. Die Fasern nehmen Feuchtigkeit auf, dehnen sich aber in Längs- und Querrichtung unterschiedlich stark aus.

Da das Papier ja mit Feuchtigkeit in Berührung kommt, zeigt sich die Laufrichtung recht deutlich. Rollt es sich nach rechts und links ein, läuft das Papier von oben nach unten. Ich markiere mir die Laufrichtung nach dem Trocknen mit Bleistift auf der Rückseite mit einem kleinen Pfeil. Möchte man die Laufrichtung von einem fertigen Bogen (z.B. gekauftes Geschenkpapier) ermitteln, kann man ein Rechteck (bei einfarbigen Bögen kein Quadrat!) ausschneiden und anfeuchten und so die Laufrichtung ermitteln.

Oder das Papier vorsichtig zusammenklappen (nicht falten) und zwischen den Händen rollen, man merkt in die eine Richtung mehr Widerstand als in die andere. Geht es leichter, ist die Papierlaufrichtung entsprechend. Allerdings gibt es Papiere, wo man kaum einen Unterschied merkt. Oder sie sind zu empfindlich, z.B. dünne Seidenpapiere.

Eine weitere Möglichkeit, die Laufrichtung zu ermitteln, ist das Einreißen des Papiers. Wer hat nicht schon mal was aus der Zeitung gerissen und geflucht, weil der gewünschte kleine Zeitungsausschnitt in die eine Richtung so leicht, in die andere so schwer auszureißen war.

Bei industriell hergestelltem Büttenpapier (z.B. dem von mir gerne verwendeten Vorsatzpapier) zeigt sich - wenn man es gegen das Licht hält - die typische Siebstruktur. Die Laufrichtung entspricht den etwas dickeren Linien mit größeren Abständen (hier senkrecht). Das "Muster" entsteht durch die Siebe, mit deren Hilfe aus dem Faserbrei das Papier gemacht wird.

Es gibt auch Papiere ohne Laufrichtung: handgeschöpfte Papiere. Hier liegen die Fasern kreuz und quer.

 

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